CortisonImmer wieder werde ich schief angesehen, wenn ich erwähne, dass eine sehr wirksame Therapie bei Krupp die Gabe von Cortison ist. Cortison ist als pures Gift verschrien, ein absolutes Hammermedikament und man sollte es keinesfalls Kindern wegen einer solchen Lappalie verabreichen ...... Ich habe mich mit dem Thema Cortison beschäftigt (schließlich will ja auch nicht, dass ein Sohn aufgeht wie ein Hefeklos oder dass ich ihn irgendwie langfristig schädige). Kurz gesagt : es kursieren unglaublich viele Gerüchte und Falschaussagen, Cortison ist nicht so schlimm wie sein Ruf ! Cortisone sind körpereigene und lebenswichtige Hormone, die in der Nebennierenrinde gebildet werden. Sie regen die Leber an, Fett- und Eiweißbestandteile des Blutes in Zucker umzuwandeln. Ihr völliges Fehlen, zum Beispiel infolge von Krankheit oder nach der Nebennierenentfernung, führt in wenigen Tagen zum Tode. Sie gehören zur Gruppe der Steroidhormone, wie auch die Androgene (bekannt durch Doping, da sie helfen Muskelmasse zu bilden) und Östrogene sowie Gestagene (als Anti-Baby-Pille in verschiedenen Zusammensetzungen sehr häufig eingesetzt). In Stresssituationen (Unfälle, körperliche Belastungen, Fieber, Entzündungen) sorgen sie für die Bereitstellung von Energie für den Körper. Sie hemmen Entzündungsvorgänge und unterdrücken die Bildung von Antikörpern, schwächen dadurch aber bei längerer Einnahme auch das Immunsystem. Es gibt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Cortisonen im Körper, deren Wirkungen sich unterscheiden und die bei vielen verschiedenen Mechanismen unseres Körpers eine herausragende Rolle spielen. So wirken sie zum Beispiel auf den Zuckerstoffwechsel ein, aber auch bei dem Verhalten eines Menschen spielen sie eine Rolle, um nur zwei Dinge herauszugreifen. Das ganze System ist sehr komplex und kompliziert. Was passiert nun bei einem Kruppanfall ?Nachts (oder auch während einem Mittagsschläfchen) sinkt der Cortisonspiegel im Körper. Dadurch (und durch den "Krupperreger") schwellen die Schleimhäute im Bereich des Kehlkopfes an, das Kind wacht auf, hustet und leidet unter Atemnot. In dieser Stress-Situation schüttet der Körper u.a. Adrenalin und Cortison aus. Leider reicht die Menge Cortison, die der Körper ausschüttet, nicht aus, um die Atemnot zu beseitigen. Mit der Gabe von Cortison wird also ein Prozess unterstützt, der sowieso stattfindet, es wird nicht mit der chemischen Keule in den Körper eingegriffen ! Cortison ist ein Medikament, das als Stosstherapie besonders wirksam ist, problematisch wird es bei Daueranwendung (zum Beispiel bei Neurodermitis oder Rheuma). Bei kurzzeitiger Gabe sind praktisch auch keine Nebenwirkungen zu erwarten. Von einer langfristigen Gabe spricht man übrigens erst ab einer Dosis von 300 mg Prednison/Prednisolon TÄGLICH und das über mehrere Tage ! Dann muss man das Medikament auch erst ausschleichen, d.h. die Dosis langsam senken, damit der Körper lernt, sein Cortison wieder selber in ausreichendem Maß zu produzieren. Bei Cortison gibt es übrigens auch keinen Gewöhnungseffekt. Wenn das 100 mg Zäpfchen nicht mehr hilft, dann braucht man die Dosis nicht steigern, dann muss man sich andere Sachen einfallen lassen. Oder anders rum - es ist nicht so, dass bei den ersten Kruppanfällen 20 mg Zäpfchen reichen und ihr dann die Dosis ständig steigern müsstet, weil sie sonst nicht ausreichen würde. Cortison bewirkt übrigens nicht sofort, dass der Kruppanfall komplett verschwindet ! Es sorgt nach 20 bis 30 Minuten dafür, dass sich die Atemnot deutlich bessert - es ist leider normal, wenn das Kind weiterhin bei der Einatmung zieht und eventuell leicht hustet. Den höchsten Wirkungsgrad haben Cortisonzäpfchen übrigens erst nach 2 1/2 Stunden. Wird die Atemnot auch nach 30 Minuten trotz Cortison nicht deutlich besser, dann ruft den Notarzt !!!!!
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