Ätherische Öle

Wenn ich als Kind erkältet war, dann wurde ich von meiner Mutter mit einer Erkältungssalbe eingecremt, die kennt ihr sicher auch. Erkältung und der Geruch dieser Salben gehörte für mich einfach zusammen wie Fieber und Paracetamol.

Als ich meinen Kinderarzt nach einem Rezept für eine dieser Salben fragte, hörte ich das erste Mal, dass sie keinerlei therapeutische Wirkung hätten, sondern nur gesund riechen würden. Je mehr ich mich mit diesem Thema befasst habe, desto klarer wurde mir, dass diese Salben und Tropfen nicht nur nichts nutzen, sondern richtig gefährlich werden können.

Um das genauer zu erklären, muss ich ein bisschen ausholen:

Wie funktioniert die Lunge eigentlich ???

Wenn man sich die Lunge als Baum vorstellt, dann sind die Bronchien der Stamm und die dicken Äste, die Zweige sind die Bronchiolen  und die Lungenbläschen (Alveolen) die Blätter. In den Lungenbläschchen findet der Gasaustausch statt - Sauerstoff aus der Einatemluft wird mit Kohlendioxid im Blut ausgetauscht.  Die Bronchien sind mit einer Schleimhaut ausgekleidet auf der sich sehr feine Flimmerhärchen befinden. Diese Flimmerhärchen befördern eingeatmete Fremdkörper aus der Lunge nach draußen. Damit dieser Vorgang reibungslos funktioniert, müssen die Flimmerhärchen immer feucht sein.

 

Diese beiden Zeichnungen stammen von der medizinfo Seite

Bei einer Bronchitis entzündet sich nun diese Schleimhaut, sie schwillt an und bildet vermehrt Schleim um die Erreger loszuwerden. Der Körper reagiert darauf mit Husten, der den Brustkorb rüttelt und so das Sekret löst, um den Schleim los zu werden.

Die ätherischen Öle aus den Erkältungssalben und -tropfen bewirken, dass die Schleimhäute besser durchblutet werden und das führt dazu, dass die Bronchien noch mehr Schleim produzieren; bei festsitzendem zähen Sekret kann das durchaus von Vorteil sein, weil man den Schleim dann besser abhusten kann. Angeblich wird durch den flüssigeren Schleim auch die Beweglichkeit der Flimmerhärchen gefördert. Allerdings sind diese Wirkungen (das leichtere Abhusten und die Beweglichkeit der Flimmerhärchen) von keiner seriösen Untersuchungen bestätigt worden. Kleine Kinder sind  nicht in der Lage, diese Unmengen von Sekret produktiv abzuhusten (einfach gesagt, sie können ihren Brustkorb noch  nicht stark genug durchrütteln) - dieses Sekret bildet aber den idealen Nährboden für Bakterien. So kann es also sein, dass Erkältungssalben der Auslöser dafür sind, wenn aus einer relativ harmlosen Erkältung eine Bronchitis wird. Erkältungssalben und -tropfen wirken nicht abschwellend, wie viele Menschen meist glauben !!

Bei Menschen mit empfindlichen Bronchien können die ätherischen Öle die Bronchien und Lungenbläschen so schlimm reizen, dass sie verkrampfen. Diese Verkrampfung bedeutet schlimme Hustenkrämpfe bis zur Atemnot. Besonders für Asthmatiker und Kinder mit obstruktiver (spastischer) Bronchitis sind Erkältungssalben und -tropfen daher nicht nur ungeeignet, sondern gefährlich.

Bei einem Kruppanfall sind die Atemwege auch extrem gereizt, ätherische Öle können einen Anfall noch stark verschlimmern - aus leichter Atemnot können diese Öle einen handfesten Erstickungszustand machen, weil der Kehlkopf verkrampft.

Zu diesem Thema hier einige Zeitungsartikel, der sehr eindringlich vor ätherischen Ölen bei Kindern warnen :

**** ganz aktuell ein Bericht aus der "ärztlichen Praxis ****

**** Ein (langer) Artikel aus dem Stern zum Thema Naturheilmittel - die grüne Gefahr *****

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arznei-Telegramm 10/2001


Bronchitis: Keine ätherischen Öle auf die Baby-Brust

FRANKFURT/MAIN (MT) So eine akute Bronchitis stecken Babys und Kleinkinder in aller Regel locker weg. Es sei denn, wohlmeinende Eltern traktieren ihre Brust mit Erkältungsmitteln, die ätherische Öle enthalten.
"Dieser Unsinn mit Produkten wie Babix und Wick VapoRub ist oft schuld, wenn aus einer akuten virusbedingten Bronchitis eine komplizierte bakterielle Atemwegsinfektion wird", klagt Professor Dr. Dietrich Hofmann.
Die in diesen Präparaten enthaltenen ätherischen Öle reizen nämlich die Schleimhaut der Bronchien, erklärt der Leiter des Zentrums für Kinderheilkunde der Universität Frankfurt/Main. Die reagiert, indem sie mehr Schleim absondert.
Weil aber kleine Kinder unter einem Jahr noch nicht oder wenig laufen, wird der Brustkorb kaum erschüttert und das Abhusten funktioniert nicht. Die Folge: Der Schleim staut sich regelrecht in den Atemwegen.
In den Schleimmassen fühlen sich Bakterien so richtig wohl und vermehren sich besonders gut. Dann muss man mit Antibiotika behandeln, auf die man ohne die ätherischen Öle hätte verzichten können, so Prof. Hofmann.
Die "guten ätherischen Öle" machen aber nicht nur kurzfristig Probleme. Kinder, die mehrfach eine komplizierte Bronchitis durchgemacht haben, neigen später besonders zur chronischen Bronchitis, also zum Beispiel zum Raucherhusten.
Bei kleinen Kindern sollte man also die Finger vom ätherischen Balsam lassen, rät der Kinderarzt. Wenn die Sprösslinge älter sind, richtet man wenigstens keinen Schaden an - Nutzen allerdings auch nicht.
Prof. Hofmann: "Wenn es schon pflanzliche Heilmittel gegen die akute Bronchitis sein sollen, dann lieber jene, die sich als Hustendämpfer und schonende Schleimlöser bewährt haben, zum Beispiel Efeupräparate."
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Medical Tribune D 8/20000

 

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